Film und Psychoanalyse - Methode
Langsam erlöschen die Lichter im Saal. Tiefer drückt man sich in den Sessel. Gleich geht es los – die Traumaschine beginnt. Bald werden wir hilflose Kinder sein, feurige Liebhaber, trickreiche Einbrecher, lonesome Cowboys, und hinreißende Schönheiten – auf Zeit. Dann werden wir nach Hause gehen, noch etwas unsicher auf den Beinen, und die Welt wird sein wie vorher.
Wie macht es das Kunstwerk Kino, uns in diese Offenheit zu versetzen, in die Bereitschaft, alles zu sein und alles zu geben – wenigstens in der Phantasie? Welche Schleusen des Gefühls eröffnet der Film? Was trägt er dazu bei, die Welt zu verstehen – und zu verzaubern?
Film trifft Psychoanalyse – in dieser interkulturellen Begegnung, die erstmals 2010 im Rahmen des bedeutendsten bulgarischen Kulturfestivals „Apollonia“ stattfindet, werden bulgarische, deutsche und englische Psychoanalytiker, Filmschaffende und Wissenschaftler diese Fragen erörtern. In Vorträgen, Publikumsdiskussionen und Workshops wird die Seele des Films beleuchtet, und das ist immer die Seele des Zuschauers.
Das Projekt wird getragen von der Apollonia-Stiftung, Bulgarien und dem Goethe-Institut, Sofia. Unterstützung kommt vom Staatlichen Kulturinstitut am Bulgarischen Außenministerium, vom Nationalen Filmzentrum, Sofia und vom British Council Sofia.
Der andere Blick: die Psychoanalyse
Seit ihrer ungefähr gleichzeitigen Geburt 1895 waren Film und Psychoanalyse wie Geschwister miteinander verbunden. Freuds „Unbewusstes“ prägte die Filmgeschichte des 20, Jahrhunderts – und der Film hat mächtig zurückgewirkt auf die moderne Psychoanalyse. In den letzten Jahrzehnten haben sich Psychoanalytiker immer stärker mit der Analyse von Spielfilmen beschäftigt. Seit 2001 besteht in London in zweijähriger Folge das European Festival Film and Psychoanalysis unter der Schirmherrschaft von Bernardo Bertolucci; Organisator der Psychoanalytiker Andrea Sabbadini. Dieses Festival hat sich einen großen Ruf erworben, gerade wegen der intensiven Zusammenarbeit von Filmschaffenden und Psychoanalytikern.
Dr. Vivian Pramataroff-Hamburger, München und Prof. Andreas Hamburger, Berlin-München, sind die Initiatoren dieser Begegnung in Apollonia. Sie arbeiten seit vielen Jahren im Münchner Projekt „Film und Psychoanalyse“ der Akademie für Psychoanalyse und Psychotherapie München und des Filmmuseums der Landeshauptstadt München.
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